Yayra hat in der Schweiz Internationales Recht und Politikwissenschaften studiert und jahrelang hier als Dolmetscher gearbeitet. 2007 kehrte er zurück nach Ghana. Mit einem Plan: Er wollte in seinem Heimatland den biologischen Anbau von Kakao fördern und die Bio-Bohnen direkt bei den Bauern einkaufen. Das tut er nun: 800 Tonnen Kakao kauft er jährlich seinen Bauern ab. Das Geld erhält er vom staatlichen “Cocoa Board” – aber nur wenn er Banken findet, die für ihn bürgen. Das “Cocoa Board” ist so etwas wie die Regierung in der Welt des ghanaischen Kakaos. Jede einzelne Bohne geht durch die Hallen des “Cocoa Board”, wird kontrolliert, verkauft und ins Ausland exportiert. Das “Cocoa Board” bestimmt den Preis, die chemischen Hilfsstoffe, die verwendet und eingesetzt werden dürfen, lässt Setzlinge im Land verteilen und entscheidet, wer die Lizenz zum Kauf von Kakaobohnen erhält. Eine Lizenz erhalten nur sehr wenige. 21 sind es insgesamt, Yayra Glover ist einer davon.
“Die Ghanaer nennen den Kakaobaum den goldenen Baum, denn er bedeutet Leben für uns.“ - Yayra Glover
Die Bank-Bürgschaft, die Yayra für sein Geschäft benötigt, muss er jede Saison wieder hart erkämpfen. Und sie hat ihren Preis: Von den 1,4 Millionen Ghana Cedis (rund 360’000 Franken), die Yayra jährlich benötigt, behält die Bank 32 Prozent als Zinsen zurück. “Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Ghana verunmöglichen es manchmal, ein Projekt wirklich grösser werden zu lassen”, sagt Yayra. Zudem ist er angewiesen auf Mitarbeiter, denen er vertrauen kann. Denn sie müssen mit den Taschen voller Bargeld in entlegene Dörfer fahren und direkt bei den Bauern Kakao einkaufen. Ansonsten verkaufen diese ihre Bohnen an andere Händler. Wer für seine Arbeit nur zweimal im Jahr Geld bekommt, so wie die Kakao-Bauern, hat keine Zeit, um lange auf Bares zu warten. Tricksen Yayras Einkäufer oder verschwinden mit dem Geld, hat Yayra ein Problem.
An dem Tag, an dem wir Yayra zum zweiten Mal treffen, kommt er gerade zurück vom “Cocoa Board”. Er wirkt müde. Herz und Kopf scheinen Tag und Nacht für sein Projekt zu arbeiten. Yayra will etwas in seiner Heimat bewegen. Für die Menschen und die Natur. Fairtrade war und ist ihm zu wenig. Nur die biologische Landwirtschaft hat in seinen Augen eine Zukunft. Für ihn bedeutet dies: mehr Natur, grössere Ernteerträge, mehr Geld.
Für einen über 60 Kilogramm schweren Sack Kakao erhält ein Bauer 524 Ghana Cedis - etwa 135 Franken. Diesen Preis legt das “Cocoa Board” fest. Yayra gibt seinen Bio-Bauern pro Sack 30 Ghana Cedis als Prämie.
Den Traum, in seiner Heimat eine “kleine Schweiz” zu realisieren, musste Yayra allerdings schnell begraben. Der Plan, eine Kultur zu kopieren und andernorts einzupflanzen, funktionierte nicht. “Zu viel Korruption, zu wenig Geld und zu selten in die Zukunft gerichtetes Denken”, erklärt Yayra. Immerhin: Sein Bio-Kakao ist in der Schweiz gefragt. Er kauft die Bohnen für den Couverture-Produzenten Felchlin direkt von den Bauern ab und gilt damit als Vorzeigebeispiel für fair und nachhaltig produzierten Kakao. Zudem bildet Yayra jährlich neue Bio-Bauern aus und schafft es so, deren Leben nachhaltig zu verändern. Yayra will weitermachen. So lange, bis der Kakaobaum in seinem Land wieder zum Golden Tree wird.